• Claudius Bruns - Allein am Elfenbein

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Sa. 18. Mai 2019 // 13:34

Claudius Bruns

Es ist schon erstaunlich, welche Blüten die wohlgemeinte Political Correctness treibt! Am Donnerstag sollte ich im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung Vernissage - The German Dream & Woman to Go im Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig einen satirischen Beitrag darbieten. Untenstehendes Lied "Sächsische Internationale" war geplant, bis das Museum bekannt gab, dass es wegen der Benutzung des "N-Wortes" (hier: N-eger) dort so nicht aufgeführt werden dürfe. Das führte dann zur Absage des geplanten Eröffnungsprogramms.

Offensichtlich fällt es einigen Kulturmachern schwer, den Unterschied zwischen einer im Rahmen einer kabarettistisch überhöht dargestellten Figur gemachten Äußerung und einer tatsächlichen zu verstehen. Der Kontext ist entscheidend und ein Wort in der Kunst pauschal zum Unwort zu erklären, wird dessen problematische Nutzung im Alltag kaum verändern.

Wenn diese Zensur um sich greift, dürfen wir bald auf den Bühnen des Landes keine kontroversen Figuren mehr darstellen und sie dadurch auch nicht mehr entlarven. Damit wäre das Gegenteil einer kritischen Auseinandersetzung erreicht.
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Sehr geehrtes Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig, auch wenn Sie es nicht gut finden, dass ich nach Ihrer öffentlichen Ansprache bei der Eröffnung auch meine Haltung hier auf der Facebookseite zugänglich mache, so findet zumindest jetzt der Diskurs statt, den sie anscheinend vor Ort nicht zulassen wollten. Es gab sehr wohl mehrfache Kontakte und Diskussionen mit Ihnen im Vorfeld und bis zuletzt. Ich war am Montag persönlich vor Ort und habe den kompletten geplanten Inhalt durchgesprochen. Es wurde von uns auch angeboten, das Lied moderativ einzubetten. Die von Ihnen erdachten und durchaus von mir erwogenen „Kompromisse“ - ein anderes Lied zu spielen oder das „N-Wort“ zu verändern – waren allerdings für mich nicht tragbar, so dass leider die Absage die einzige Möglichkeit blieb. Ich schätze und teile selbstverständlich Ihr Ansinnen, Opfer zu schützen und Missbrauch - auch durch und in der Sprache - zu verhindern. Insofern möchte auch ich keinesfalls den alltäglichen Gebrauch des „N-Wortes“ rechtfertigen oder gar propagieren. Im Gegenteil, durch die offensichtlich überspitzte Darstellung der Figur und ihrer Sprache wird der Sprecher und damit auch das Wort als diskriminierend entlarvt! So funktioniert Satire, wenn sie verstanden wird - insofern haben wir die gleichen Ziele. Dieses Verstehen und Einordnen von offensichtlicher Satire in Gestalt von Anglerhut mit Deutschlandfarben traue ich im Übrigen durchaus auch den benannten Afrikanisch-Deutschen Menschen zu. Zur Einordnung: Ich war eingeladen, zur Eröffnung einer Ausstellung Namens „The German Dream“ zu spielen. In Sachsen. Zehn Tage vor der Europawahl. Wo nationalistische Parteien hier auf 25 % zugehen. Ausstellungsinhalt laut Ihrer Website: „… die ethnologische Untersuchung der Wünsche, Rituale und Zukunftsträume einer Gemeinschaft, in der heute auch viele Mitglieder nach einer Alternative für Deutschland suchen.“ Die Idee, zu diesem Anlass neben einer von Ihnen gewünschten freundlichen Volksmusik-Persiflage auch ein kritisches Lied zum Thema Ausländerfeindlichkeit in Sachsen zu spielen, ist nach wie vor der Thematik der Ausstellung und dem gesellschaftlichen Umfeld mehr als angemessen! Es ist befremdlich, wenn Sie als Museum diese Kritik unter Hinweis auf ein einzelnes, „verbotenes“ Wort einer satirischen Kunstfigur unterbinden, die ja gerade durch die Nutzung dieses Wortes ihre menschenfeindliche Haltung klar offenbart! Wie hätte denn ein Kompromiss aussehen sollen? Wenn die Figur statt dem „N-Wort“ bspw. das „B-Wort“ (B-imbo) benutzt hätte, wäre Ihnen oder den von Ihnen benannten Opfergruppen damit geholfen? Wäre das nicht ebenso grundsätzlich zu verbieten? Und was ist das nächste Wort, wodurch sich in satirischem Figurenkontext jemand traumatisiert sieht? Wollen Sie das ganze ABC abklopfen und alle problematischen Begriffe aus der Bühnensprache entfernen? Wollen Sie die Sprache der Täter aus den Theatern tilgen? Wem glauben Sie, damit einen Gefallen zu tun? Bestrebungen zu einer derart bereinigten Sprache in der Kunst tragen diktatorische Züge und sollten grundsätzlich zu Widerspruch, und ja, auch öffentlichem führen und nicht im Museums-Kämmerlein als „Kompromiss“ verhandelt werden. Mit freundlichen Grüßen, Claudius Bruns

Auf den Punkt gebracht. Danke dafür!

Am Ende bestrafen sie sich selbst, weil sie ihrem Publikum verwehrt haben, dass dieses großartige Klangstück zeitgenössisch-bissiger Karikatur unserer Gesellschaft ans Ohr treten und die Geister erhellen durfte.

Danke

Kabarett ist eine gesellschaftskritische Veranstaltung, die mit Mitteln der Verfremdung und der Satire arbeitet. Wer Meinungsverschiedenheiten scheut, darf keine Satire buchen, sondern sollte bei Volksmusik bleiben. Das ist vorauseilender Gehorsam. Die, wenn auch schwer erträgliche, Auseinandersetzung mit einer solchen Nummer wäre wichtig und richtig gewesen. Weil sie mit künstlerischen Mitteln die Wirklichkeit abbildet. Welche sich, wie sich darin erschreckend zeigt, gar nicht mehr realitätsfremd überhöhen lässt, denn diese Menschen finden tatsächlich so statt. Es gibt sie, sie sind da und wir müssen aufzeigen, woraus sich ihre grundlegende Motivation und Energie speist: Aus Hass und Verachtung und Übermenschentum. Mithin auch eine Quelle unserer Vorfahren beim Ausbeuten und Entreißen ihrer kulturellen Güter. Hier hätten sich wertvolle Ansatzpunkte für eine kritische Diskussion ergeben und diese Chance wurde kläglich vertan. Was folgt als nächstes? Fährt die Grassi-Direktorin nach Florenz und verdeckt Michelangelos David-Statue mit einem Blatt, weil sie Exhibitionisten-Opfer vor einem Trauma bewahren will – Kunst hin oder her? Will sie Filme über die Sklaverei in den Vereinigten Staaten verbieten lassen, weil dort zuhauf das N-Wort fällt – Filmkunst hin oder her? Ist für sie in Zukunft die amerikanische Hip-Hop-Kultur tabu, weil das Wort dort immer wieder mal auftaucht und sogar unter Afroamerikanern als freundschaftliche Zuwendung genutzt wird – Musik hin oder her? Offensichtlich endet die Diskussion wie beim geschriebenen Wort – Literatur hin oder her. Ein bisschen Courage hätte einem Museum, das sich mit der Thematik der kolonialen Raubkunst befassen muss, gut zu Gesicht gestanden. Das ist Selbstzensur und Arroganz, im Glauben derer zu sprechen, die davon betroffen sind. Fast so, wie ein Kind die Hände vor Augen hält, im Glauben, unsichtbar zu sein. Nein, das Wort und die Verantwortung dafür verschwinden nicht. Wir müssen es benennen und uns der Kritik darüber stellen. Wenn ein Museum das nicht leisten kann, macht es sich obsolet. Man könnte es auch eine Entmündigung nennen. Wir bestimmen darüber, was Andere über uns zu denken haben könnten. Eine Art Post-Kolonialismus. Insofern hat sich dann nichts geändert. www.tagesspiegel.de/meinung/rassismus-in-kinderbuechern-achtung-zensur/7658452.html

Und Mark Twain Bücher gleich ab zur Bücherverbrennung? Otto Waalkes zum Thema: www.youtube.com/watch?v=M-57y72vq6U Zeiten der Verbote und "politischen Korrektheit" sind eigentlich immer gute Zeiten für Kabarett.

Lieber Herr Bruns, all dies hatte nichts mit "falscher" Political Correctness zu tun, sondern geschah vor allem aus Respekt für anwesende Protagonist*innen aus der afrikanisch-deutschen Community in der Ausstellung. Als ethnologisches Museum, das sich für verschiedene gesellschaftliche Gruppen öffnet, gehen wir sensibel mit verletzender und diskriminierender Sprache um. In der Ausstellung "Woman to Go", die auch Donnerstagabend eröffnet wurde, wird das N-Wort in fast allen Interviews - die ein wesentlicher Teil der Ausstellung sind - als sehr verletzend empfunden. Kabarett als Stilform hin oder her: Die Verwendung des Wortes war in diesem Kontext einfach komplett unangebracht. Wir waren im Vorfeld mehrfach mit Claudius Nießen im Gespräch über Alternativen bzw. Kompromisse. Die Absage (von ihrer Seite) kam vier Stunden vor Ausstellungsbeginn und überraschte uns sehr. Es ist sehr bedauerlich, dass Sie uns ohne ein weiteres persönliches Gespräch online kritisieren und in der Political Corectness Ecke platzieren. Wenn Sie den Kontakt nicht abgebrochen hätten, hätten wir nochmals gemeinsam nach Lösungen suchen können. Mit dennoch freundlichen Grüßen, das Grassi Museum für Völkerkunde

So. 12. Mai 2019 // 13:29

Claudius Bruns

Ich freue mich sehr, als Kabarettist ab sofort von Booking & More, Künstleragentur Claudia Tietz vertreten zu werden. Auf eine goldene Zukunft! www.bookingandmore.de ... MehrWeniger

Ich freue mich sehr, als Kabarettist ab sofort von Booking & More, Künstleragentur Claudia Tietz vertreten zu werden. Auf eine goldene Zukunft! www.bookingandmore.de

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Freu mich auch! Wird spannend!

oh, Glückwunsch! ich bin gespannt, wie es weitergeht und freue mich, Claudia vielleicht mal kennenzulernen ...

Freu mich für Dich

Super! 😎👌🏼

Super.

Fr. 10. Mai 2019 // 21:55

Claudius Bruns

Vielen Dank für Euer Voting! Ich habe es mit dem Video "MEEEGA KRASS" tatsächlich ins Halbfinale des Goldenen Zebras der unglaublichen Biennale Sindelfingen geschafft :) Am 31. Mai werde ich dort mein Bestes geben, bin gespannt wie ein Flitzebogen. ... MehrWeniger

Mi. 01. Mai 2019 // 11:53

Claudius Bruns

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